Kreuzberger Chronik
September 2021 - Ausgabe 232

Briefwechsel

Danke für den Artikel


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von Rafael Steiner

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Rafael Steiner und Johannes Riedner zur Reportage über das Tempelhofer Feld in Ausgabe 231

Sehr geehrte Kreuzberger-Redaktion,

Danke für den Artikel von Michael Unfried. Franz Schulz ist uneingeschränkt Recht zu geben. Die Begehrlichkeiten wachsen und wir wissen nicht, mit wie vielen Schulden die Fläche schon beliehen ist und was die Banken und das Finanzkapital von der öffentlichen Hand noch erzwingen werden. Was sie wollen, das wissen wir. Deshalb sagte ich zu dem erstaunten Regierenden, der ja mit dem netten Wowi das Verschenken, Verschleudern und Verkaufen eines Drittels der Stadt mitgemacht hat, beim 25. Jubiläum von Kabuwaci: »Herr Müller, bauen kann jeder. Nicht Bauen ist die Kunst.«

Johannes Riedner

Liebe Redaktion,

»Die Berliner Verwaltung missachtet das Gesetz.« So schrieb kürzlich der Verein Changing Cities anlässlich des dreijährigen Bestehens des von der Bevölkerung initiierten Berliner Mobilitätsgesetzes. Ich musste sofort an das Tempelhofer Feld denken, denn auch dort geraten Senat und Verwaltung immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Aber während sie sich bei der Verkehrswende Untätigkeit vorwerfen lassen müssen, sorgen sie beim Feld, das sie gemäß § 1 Thf-Gesetz in Gänze zu erhalten und zu schützen hätten, für Stress, weil bestimmte Interessengruppen davon nicht die Finger lassen wollen.

Diese leer vor sich hin rostenden Container, welche die SPD vielleicht für ein städtebauliches Modellprojekt zum bezahlbaren Wohnraum hält, sind nur das prägnanteste Beispiel. Schon deren Genehmigung –wenn es die überhaupt gibt– verstieß glasklar gegen § 7 Abs. 3. Der hierfür extra angefügte § 9 zeigt nur, dass diejenigen, die sich dabei für die einzig wahren Gesetzgeber hielten, Intention und Systematik des ThF-Gesetzes als Ganzes nicht begriffen hatten. Wahrscheinlich waren die politischen Strategen zu sehr auf die Anstrengung konzentriert, der Initiative THF 100% ans Bein zu pinkeln. Dabei trafen sie dann auch gleich noch unsere gesamte demokratische Gesellschaft. Im Abgeordnetenhaus haben SPD und CDU die Aktion einvernehmlich durchgewunken.

Nun glaubt der Tagesspiegel in Zeiten des Klimawandels herausgefunden zu haben, dass es im Volk Mehrheiten für die Zerstörung des Tempelhofer Feldes gäbe. Doch die Menschen, welche sich schon seinerzeit zu einem expotentiell wachsenden Widerstand organisiert haben, gibt es nach wie vor. Sie sind älter geworden, kaum weniger und gewiss nicht dümmer. Bis bald!

Rafael Steiner


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