Kreuzberger Chronik
Juli 2020 - Ausgabe 221

Briefwechsel

Schwaben reden nicht über Knödel!


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von Johann von Lorenz

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Lorenz Schreiber zum »Hausverbot« in Nr. 220


Sehr geehrter Horst Unsold,

ich finde Ihre Anekdote überhaupt nicht humorvoll und auch nicht lustig, sondern einfach nur wirklich total traurig.

Vielleicht wollen Sie in Ihrer Glosse über das Denken der Menschen in überkommenen Kategorien aufmerksam machen? Wir (alten Kreuzberger) gegen euch »Zugezogene«? (Was heißt denn das eigentlich?) Halbwegs gute Schwaben (die schon in den 70ern kamen, Verweigerer) gegen schlechte, die aus den 90ern (Abenteuerlustige)? Wie lustig, die »Ham-wa-nich!«-Mentalität? Zum lachen, alle gegen einen, und den dann auch noch abzocken? Vielleicht bin ich blöde, aber wirklich nichts kann ich daran lustig finden.

Und zur völkerkundlichen Info: Schwaben reden nicht über Knödel, die sind da nicht so verbreitet. Schwaben bestellen kein Weißbier, das heißt da anders. Außerdem geben Schwaben - , zumindest die, die ich so kenne - gerne großzügig Trinkgeld. Auch noch so ein armseliges Klischee zum Schluss!

Also ehrlich. Na ja, immerhin schreib ich mal einen Leserbrief.

Mit freundlichen Grüßen,

Lorenz Schreiber

Lieber Herr Schreiber,

es war gewiss nicht meine Absicht, irgendjemanden »absolut traurig« zu stimmen, sondern, wie Sie es ja auch richtig vermutet haben, eher das Gegenteil. Wenn mir das - zumindest in Ihrem Fall - so gründlich misslungen ist, so tut mir das leid.

Dennoch möchte ich gerne klarstellen: Diese Anekdote aus dem Kreuzberger Souterrain habe ich nicht selbst erlebt, sie wurde mir erzählt. Ich glaube aber, dass jedes Wort wahr ist, und dass sich die Geschichte genau so zugetragen hat. Aufgeschrieben habe ich sie, weil ich mir diese misstrauischen, trotz aller Weltoffenheit nicht ganz von Vorurteilen befreiten Kreuzberger vor ihren Bieren so lebhaft vorstellen konnte.

Dass es sich bei dem Fremden im Lokal um einen Schwaben handelte, der dummerweise dann auch noch ganz dem Klischee vom Schwaben entsprach, ist eher ein Zufall gewesen. Ich kann Ihnen versichern, dass ich sogar kurz darüber nachdachte, einen Bayern oder einen Sachsen aus ihm zu machen, eben weil er dem Klischee so nahe kam.

Was allerdings die Sache mit den Knödeln angeht, so muss ich Ihnen widersprechen. Ich habe mit den vielen netten Schwaben, die ich kennenlernen durfte,- tatsächlich die meisten von Ihnen Wehrdienstverweigerer - durchaus abendfüllende Diskussionen über Knödel erlebt.

Mit freundlichen Grüßen - Horst Unsold

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