Kreuzberger Chronik
Februar 2018 - Ausgabe 196

Briefwechsel

Viel zu bunt - Dietrmar Kurz zum Extrablatt Nr. II


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Autor unbekannt

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Sehr geehrte Redaktion,

Ich war enttäuscht, als auch die seriösen Tagezeitungen plötzlich damit anfingen, das traditionelle Schwarz-Weiß ihrer Zeitungsseiten durch Farbe zu ersetzen. Als wären Tageszeitungen bunte Journale oder gar Bilderbücher! Jetzt also auch die Kreuzberger Chronik!

Die Kreuzberger Chronik ist zwar keine Tageszeitung, aber ich habe sie immer gerne gelesen, wenn sie mal wieder irgendwo in der Markthalle herumlag, und ich habe es ihr immer hoch angerechnet, dass sie sich so lange mit Schwarz-Weiß begnügt hat. Nun ist sie ihrem Stil untreu geworden. Es war zu erwarten! Schließlich hatte sie sich - nach einigen Jahren des Zögerns - auch der neuen deutschen Rechtschreibung gebeugt. Dennoch war es eine Enttäuschung für mich, als ich im Januar anstatt der stilvollen Porträts in Schwarz-Weiß dieses Bild einer Schneelandschaft unter blauem Himmel sah. Was hat das überhaupt mit Kreuzberg zu tun? Ich dachte immer, die Kreuzberger Chronik sei ein anspruchsvolles Lokalblatt.

Das ist mir alles viel zu bunt. Ich hoffe, Sie finden möglichst bald wieder zur Besinnung zurück, sonst haben Sie künftig mindestens einen Leser weniger.

Dietmar Kurz



Sehr geehrter Herr Kurz

Wie Sie sehen, haben wir uns Ihre Sorgen zu Herzen genommen und sind schon in diesem Heft wieder zum alten Format zurückgekehrt!

Allerdings behalten wir uns vor, dennoch zwei mal im Jahr - nämlich jeweils im Januar und im August - ein etwas anderes Heft in Kreuzberg zu verteilen. Wie Sie vielleicht übersehen haben, sind die bunten Hefte auch keine regulären Ausgaben, sondern »Extrablätter«, in denen wir einen Blick über Kreuzberg hinaus in die Welt werfen möchten. Es sind, wenn Sie so möchten, Urlaubslektüren mit Reisegeschichten, die ansonsten in den digitalen Schubladen unserer Autoren verstaubt wären - was sie nicht verdient haben.

Sie können also ganz beruhigt sein: Auch wir sind Freunde der Schwarz-Weiß-Fotografie und wir werden es bleiben. Auch wenn wir nicht ohne Genugtuung feststellen konnten, dass die Sonderausgaben des Januarheftes schon ebenso schnell vergriffen waren wie die üblichen schwarz-weißen Nummern.

mfG, die Redaktion


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