Kreuzberger Chronik
September 2009 - Ausgabe 110

Literatur

Auf dem Friedhof


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von Kajo Frings

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Lass uns auf den Friedhof gehen,
vor dem »Bacco« ist es schwül,
unter Bäumen, zwischen Schlehen,
auf dem Friedhof ist es kühl.

Lass uns auf dem Friedhof sitzen,
auf der Bank, auf einem Stein
schau den Strauch von Berberitzen,
an dem Denkmal rankt der Wein.

Lass uns auf dem Friedhof trauern,
weil man manchen nicht mehr trifft,
verschwunden wie auf Friedhofsmauern
manche fast verblasste Schrift.

Lass uns auf dem Friedhof stehen
auch wenn hier kein Hegel liegt
lass uns hoch am Himmel sehen
was von und was nach Tegel fliegt.

Lass uns auf dem Friedhof knien
sprich von mir aus ein Gebet,
dass die bösen Geister fliehen
und die Angst vorübergeht.

Doch ich geh nicht auf den Rasen,
nein, ein Picknick ist nicht drin,
eher lauf ich mir hier Blasen
denn da leg ich mich nicht hin.

Ist nicht wegen Anschiss kriegen,
mein Gefühl, so irgendwie,
sagt: Zum auf dem Friedhof liegen,
dafür ist mir noch zu früh.

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