Kreuzberger Chronik
September 2003 - Ausgabe 50

Der Kommentar

Ein Leserbrief


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von Michael Jürgens

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Betreff: »Reportage« in der Kreuzberger Chronik Nr. 49

(Juli/August 2003) Thema:



Sehr geehrter Herr Korfmann,
im Juni 2003 habe ich zwei Berichte über das Grillen im Viktoriapark und die anstehende Grillerlaubnis durch den Bezirk an die Kreuzberger Chronik gesandt. Meinem Schreiben waren einige Kopien meiner handschriftlichen Beschwerden über die erheblichen Beeinträchtigungen der Anwohner durch das bisher illegale Grillen im Park beigefügt. Einige Sätze in diesen Schreiben hatte ich – damals sehr emotional geladen ob dieses Grill-Beschlusses der BVV – vielleicht etwas mißverständlich formuliert. So sehe ich z. Bsp. keineswegs die türkische Frau lediglich auf ihr »Mutti«-Dasein reduziert (Pardon: war nicht so gemeint!). Daß ich selbst in meinem Beschwerdebrief vom 09.05. 2003 an die BVV zum Ausdruck gebracht habe, daß wir Anwohner sehr gut verstehen, daß Menschen/Großfamilien aus beengten Wohnverhältnissen wie in SO 36 zum Sonne- und Lufttanken in den Viktoriapark kommen und hier von uns Anwohnern absolut nicht mit Argwohn betrachtet werden, das bleibt unerwähnt. Schließlich sollen wir Anwohner nach Ihrer Sicht der Dinge in dieser »Reportage« als heuchlerische Ignoranten vorgeführt werden, die in Wahrheit nur »den deutschen Parkboden vor Ausländern verteidigen.«

Die Position der Grillfreunde einzunehmen und dabei auch die Interessen bestimmter Ethnien verteidigen zu wollen, ist eine Sache. Streit verträgt auch sicher ein gewisses Maß an Polemik, nur sollte sie den Meinungsgegner nicht kleinreden und nicht ins Abseits führen, indem uns Anwohnern (526 Leute haben unsere Forderung auf Rücknahme der Grillerlaubnis unterschrieben, davon ca. 90% direkte Anwohner und allein 57 mit türkischen bzw. arabischen Namen) Ausländerfeindlichkeit unterstellt wird. Hier wurde ein Pamphlet mit einer Reportage verwechselt.

Wir haben nichts gegen im Park picknickende Gruppen/Großfamilien. Allein die Geruchs- und Rauchbelästigungen sind nicht hinnehmbar. Dabei können unsere Nasen und Lungen nicht unterscheiden, von wem der Rauch und Dunst am Grill verursacht wird.
Hier in Deutschland aber wird schnell die Keule der »Ausländerfeindlichkeit« geschwungen, wenn auch Belange dieser Bevölkerungsgruppe zum Wohl der Allgemeinheit einmal kritisch in Frage gestellt werden.
Fakt ist: müßten wir heute – bei dieser Hitzewelle – noch mit den Grilldünsten leben … Es ist schlicht unvorstellbar!
Herr K., wenn Sie mich unbedingt als piefigen, deutschen Saubermann darstellen möchten – (»weiße Socken in Sandalen« pp) – damit kann ich leben. Wenn Sie aber mir und meinen Mitstreitern in dieser Anti-Grillaktion tumbe Ausländerfeindlichkeit unterstellen, so muß (müssen wir) das auf das Schärfste zurückweisen.
Sie nehmen als Journalist für sich in Anspruch, Objektivität wahren zu können. Warum maßen Sie sich dann an, Menschen, die Sie persönlich gar nicht kennen, in eine bestimmte Schublade zu stecken?

Michael Jürgens

PS: und wie war das mit dem Impressum gemeint? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? <br>

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