Kreuzberger Chronik
November 2025 - Ausgabe 274

Frisch von der Leinwand

Caught Stealing


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Caught Stealing, Anna Prinzinger, Filmkritik,

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hmmm....

Es ist grau, nass, Kinowetter. Ich treffe mich mit einer Freundin vor dem Babylon am Kotti. Obwohl diese Krimikomödie schon seit einigen Wochen läuft, ist der Saal gut gefüllt. Aber ok, es ist ja auch ein kleiner Saal! Trotzdem: für einen Film, der so lange läuft, sind 30 Zuschauer schon ganz gut. Irgendwie muss Caught Stealing – »beim Klauen erwischt« – ziemlich gute Rezensionen gehabt haben.

Es geht um Hank Thompson, einen Barkeeper in New York, gespielt von Austin Butler, den man vielleicht noch als »Elvis« kennt. Hank hat, da sein Nachbar Russ für ein paar Tage verreist ist, dessen Katze bei sich aufgenommen. Doch die scheint ihm nur Unglück zu bringen. Schon mehrmals ist in die Wohnung des Nachbarn eingebrochen worden und Hank und der Kater sind plötzlich mittendrin in dieser Räuber-Geschichte. Die Polizei verdächtigt und verhört ihn, es geht um den Schlüssel zu einem Store, der in Russ´ Wohnung sein soll: Ein Schlüssel zu einem größeren Geldbetrag. Als Hank, der auf dem besten Weg ist, vor lauter Stress zum Alkoholiker zu werden, die Gangster im Treppenhaus stellt und nach einer filmreifen Schlägerei im Krankenhaus landet, wo ihm eine Niere entfernt wird, erhält er zu allem Unglück Alkoholverbot. Und nebenbei versucht er dann auch noch den Ansprüchen seiner Freundin Yvonne gerecht zu werden.

Meine Freundin und ich waren kurz davor, zu gehen: »Der Klamauk gibt uns absolut gar nix«. Unnötige »dirty talk« Szenen und überzogene Aggressionen auf einen unschuldigen Protagonisten! »Die ganze Story ist fragwürdig.« Aber wir blieben, draußen regnete es bestimmt schon wieder. Und die zweite Hälfte des Films ist dann auch wirklich besser: Russ, gespielt von Matt Smith, kehrt in seine Wohnung zurück und bringt Schwung in die ganze Geschichte. Es beginnt eine unterhaltsame Verfolgungsjagd, begleitet von viel schwarzem Humor und Plot-Twists. Am Ende ist es ein bisschen wie: die Katze und Hank gegen den Rest der Welt.

Unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Ein guter Film sieht anders aus. Und auch im Genre der Komödien schneidet Caught Stealing nicht allzu weit vorne ab. Das Vorspiel war zu lang, der Höhepunkt kam zu spät. Und wie es zu dem Filmtitel kam, ist mir ein Rätsel: Während der ganzen 90 Minuten wurde niemand beim Stehlen erwischt.

Egal. Eine passable Schlägerei war zu sehen und eine anregende Verfolgungsjagd. Auch die Besetzung mit Austin Butler und Matt Smith war Spitze. Matt Smiths Auftritt war sowieso der Höhepunkt des Films. Und trotzdem funktionierten beide Schauspieler in dieser Geschichte einfach nicht so richtig. Was wieder einmal ein Beweis dafür ist, dass auch die besten Schauspieler an einem wirklich schlechten Skript nichts ändern können.

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