Juli 2025 - Ausgabe 271
Frisch von der Leinwand
|
Der phoenizische Meisterstreich
von Anna Prinzinger |
|
|
|
Unverkennbar: Ein echter Wes Anderson Als ich am Yorcks vorbeischlenderte, schnappte ich die Kommentare der Besucher auf, die aus dem Kino nebenan kamen: »Lustig, aber ich hab‘s nicht verstanden.« - »Komischer Film!« - »Naja...« Das weckte meine Neugier. Ich bin sofort reingegangen. Wes Andersons letzte Filme hießen The French Dispatch und Asteroid City, vom Stil her eindeutig Wes Anderson-Filme. Auch Der Phönizische Meisterstreich ist ein echter Anderson. Schon die Filmplakate haben eine Art Wes Anderson-Handschrift, man sieht sofort, dass der gleiche Typ daran gesessen hat. Im Phönizischen Meisterstreich steht der Geschäftsmann Zsa-Zsa Korda im Mittelpunkt. Der wegen krummer Geschäfte von Banken gesuchte Korda überlebt gleich zu Beginn des Filmes seinen sechsten Flugzeugabsturz und ich weiß nicht wievielten Mordversuch. Nach diesen typischen Anderson Episoden beschließt er, Liesl – der einzigen Tochter neben neun Söhnen - die Leitung der Geschäfte zu übergeben. Liesl, die eigentlich gerade dabei ist, Nonne in einem Kloster zu werden, möchte das Angebot ihres Vaters, den sie seit mehreren Jahren nicht gesehen hat, ablehnen. Doch dann beschließt sie, ihn bei der Umsetzung seines »Lebenswerks«, einem aufwendigen Infrastrukturprojekt, zu unterstützen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass ihr Vater gleichzeitig die Sklavenarbeit und den Hunger im Operationsgebiet bekämpft. Gemeinsam machen sich Korda und Liesl auf den Weg, um Investoren für ihr Projekt zu finden – natürlich im Zwielicht des Untergrunds. Sonst wäre es kein echter Anderson. Anderson ist bekannt für symmetrische Bildanordnungen und einen Retro Style, sowohl bei der Auswahl der Musik als auch der Kulissen und der skurrilen Charaktere. Der Phönizische Meisterstreich enttäuscht da nicht, allerdings ist er noch ein wenig brutaler als seine Vorgänger. Schnelle, trockene Dialoge, sich überstürzende Bilder, langweilig wird einem auf keinen Fall. Der Film wird als Thriller angeboten, doch wer Anderson kennt, weiß, dass der Meisterstreich ebenso in die Komödien-Lade passt. Sein bissiger Humor ist genial, unser Sitznachbar war die ganze Zeit am Lachen! Doch viele verstanden den Film tatsächlich nicht. Dabei ist der Meisterstreich zweifellos ein Film über die moralische Zwiespältigkeit in Zeiten des Kapitalismus: Korda, der zwielichtige Geschäftsmann, gegenüber Liesl, der Nonne. Und auch wenn die Nonne nicht wirklich gut und Korda nicht wirklich böse ist, im Grunde geht es um Gut und Böse und um den drohenden Verlust der Menschlichkeit. Aber man kann den Moralapostel auch weglassen und ganz einfach seinen Spaß haben an Andersons Figuren und Bildern. |









