Kreuzberger Chronik
April 2007 - Ausgabe 86

Witzels Geschichten

Müllers Mobbing


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Autor unbekannt

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Irgendwer in unserer Personalabteilung hat etwas gegen mich, Guntram«, seufzte Kriminalhauptkommissar Bernd Müller am Montag nach Feierabend im Café Blümel, wo Dr. Gerloff wieder seine therapeutische Kleingruppensitzung auf Krankenschein abhielt. »Mobbing«, nickte Guntram Gerloff fachmännisch. »Kürzlich hab ich einen Schrieb gekriegt«, fuhr er fort, »da stand drin, ich wäre tot und meine Frau bekäme das Sterbegeld, sobald Berlin die Haushaltssperre aufgehoben hat. Also so was! Und als ich bekanntgebe, daß ich noch lebe, da flattert das nächste Schriftstück herein: Beerdigung storniert, das Sterbegeld soll umgehend an den Vergnügungsausschuß im Roten Rathaus zurücküberwiesen werden! Dabei war noch gar kein Geld da.«

»Schreib das auf, du«, lächelte Guntram Gerloff.

»Wollt ich ja«, brummte Müller. »Und da bekomm ich von denen einen Beschwerdevordruck mit kariertem Mittelfeld, wo druntersteht, ich soll alles in Druckbuchstaben ausfüllen. Sonst können sie es mit ihren Berliner PCs nicht verarbeiten. Also, wenn das keine Schikane ist?!«

»Die Gruppe liebt dich«, tröstete ihn Dr. Gerloff. Alle nickten – einschließlich des blonden Fräuleinwunders Monika mit der Rosenholzperlenkette vom Ökomarkt Chamissoplatz.

Müller schrieb alles auf und machte am Dienstag einen richtigen Indizienkatalog aus der Geschichte. Er wußte nur nicht, was er mit der brisanten Akte machen sollte. Bis zum Mittwoch. »Denk dran«, wurde er von seiner Frau morgens verabschiedet, »daß heute ein besonderer Tag ist.« Aber Müller dachte an etwas anderes. Kaum sah er den Kollegen Krahlmann aus Pankow, rief er: »Hiermit übergebe ich Ihnen Ihren ersten Fall zur selbständigen Recherche: Wer ist der Täter?« Er drückte Krahlmann die Akte in die Hand. War ganz gut für einen jungen Menschen, wenn er langsam an die Arbeit herangeführt wurde. »Trainingshalber können Sie noch rauskriegen«, fuhr er fort, »warum und weshalb heute ein besonderer Tag ist.«

»Der erste April ist heute«, sagte Krahlmann. Müller guckte verdattert. »April, April, Chef, wir haben schon den dritten!«

Nächsten Morgen war Krahlmann schon um sieben Uhr früh im Vorderhaus der Friesenstraße 16. Er guckte hier und fragte da, flitzte runter ins Archiv, diskutierte mit der Personalrätin, eilte die Treppe rauf zur Kantine und machte sich emsig Notizen. Nachmittags um drei war es dann soweit. Er stand vor Müllers Schreibtisch zum Rapport. »Und zwar«, erläuterte Krahlmann, »hat der Täter seine organisierten kriminellen Finger überall drin.« »Wie heißt die Kanaille?« rief Müller ungeduldig. »Das ist das Problem«, seufzte Krahlmann. »Seinen Nachnamen kürzt er mit ›V‹ ab.« »Und der Vorname?« »Ede. Aber wir wissen noch nicht genug, Chef!« Krahlmann sah in
sein Notizbuch. »Dann wäre da noch die Sache mit dem Datum von gestern.« »Genau«, nickte Müller, der das komplett verpennt hatte. »Gestern«, grinste Krahlmann, »war Ihr Hochzeitstag, Chef! Und die Lieblingsblumen Ihrer Frau sind Freilandrosen – nur mal so als Tip für den Heimweg. Außerdem hätte Ihr BMW gestern zum TÜV gemußt.« »Danke, das genügt«, nickte Müller. »Woher wissen Sie das alles?« Krahlmann schüttelte den Kopf. »Ede-V.«


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