Kreuzberger Chronik
September 2002 - Ausgabe 40

Die Geschäfte

NiK - Noten in Kreuzberg


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von Petra Naumann
Fotos: Wolfgang Krolow


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Die Ladentür klingelt, herein tritt eine Dame. »Guten Tag, ich hätte gerne die Noten von diesem Klavierstück aus der Fernsehwerbung, diese Versicherung – ein Fels in der Brandung – oder so ähnlich. Ich habe schon dort angerufen, ich glaube ein französischer Komponist …« Johannes Sauer versteht und zieht das Heft Gymnopedies von Eric Satie aus dem Regal. »Bitte sehr, da sind auch noch andere Klavierstücke in diesem Stil dabei …« Der Frau konnte geholfen werden – ebenso wie jenen Kunden, die mit einem Walkman in den Laden kommen: »Hören Sie mal, dieses Lied, das hätte ich gern auf Noten, am besten für Gitarre …« Aber auch jenen, die still und unverdächtig vor der Ladentheke stehen und aus heiterem Himmel plötzlich eine Opern-Arie anstimmen: »… dim dim didijah, ist das von Verdi? Haben Sie das da …?«

So beschreibt Johannes Sauer seine liebe Kundschaft, und er freut sich, daß er den meisten bei ihrer Suche behilflich sein und die entsprechenden Noten über die Ladentheke reichen kann – mit etwas Glück auch mal eine besonders schöne und antiquarische Ausgabe. So ein Service ist heute eher selten zu finden in der Stadt. »Vor dem Mauerfall ging der Ostberliner Musiker in den Kunstsalon Unter den Linden, der Westberliner nach Charlottenburg zu Bote & Bock oder zu Riedel nach Wilmersdorf«, erzählt Johannes Sauer. Aber jetzt gibt es ja die Musikalienhandlung NiK in Kreuzberg, »immerhin der Heimstätte vieler Musiker, von Paul Lincke über Ton Steine Scherben bis zu Jasmin Tabatabai …«

noten in Kreuzberg
NiK, das steht für Noten in Kreuzberg. Und das bedeutet Noten aller Musik-Richtungen, von Klassik bis Salsa, von Jazz bis Country. Denn alle diese Richtungen hat der passionierte Musiker Johannes Sauer schließlich selbst auch gespielt. Noch heute steht er mit seinem fünfsaitigen Banjo und mit Gregor Bosch und der Bluegrass-Band Southern Star des öfteren auf der Bühne. Doch nicht nur die Band verbindet die beiden Musiker: als vor zwei Jahren die Musikalienhandlung Bote & Bock ihre Pforten schloß und sich dessen Kundschaft nach einer Alternative in der Nähe umsah, übernahm Johannes Sauer nicht nur die Kundschaft, sondern auch einen Mitarbeiter von Bote & Bock: Gregor Bosch.

»Seitdem«, sagt Sauer, »entwickelt sich das Geschäft gut«. Über die neue Homepage erhält er Bestellungen aus aller Welt. Vor allem aber hat er »das Antiquariat erheblich erweitert« und die Geschäftsräume in der Friesenstraße ausgebaut und renoviert. Denn dieses »gut sortierte Noten-Antiquariat mit seinen Raritäten aus Salon-, Opern-, Schlager- und Konzertmusik«, das ist das Herz seines Ladens.

In Zeiten, in denen so viele Geschäfte neu eröffnen wie schließen, kann Johannes Sauer nun das 10jährige Bestehen von NiK feiern. Deshalb lädt Noten in Kreuzberg am Samstag, den 21. September 2002, zum geselligen Beisammensein in den Laden ein und anschließend ab 18 Uhr in die Passionskirche zum Jubiläumskonzert. (Näheres dazu im Programmteil.) <br>

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